Das 3-Säulensystem der Schweiz

Das 3 Säulen Prinzip Soziale Sicherheit 2009 in der Schweiz pdf-signet
1. Säule AHV/IV, Existenzsicherung pdf-signet
2. Säule Berufliche Vorsorge pdf-signet
3. Säule Lebensversicherung pdf-signet
Skala 44 Monatliche Vollrenten AHV und IV 2011 pdf-signet

 

Ausgabe 2011:

1. Säule: AHV/IV/EO

Die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) soll den Grundbedarf der Versicherten decken. Die Invalidenversicherung (IV) ist für die finanziellen Folgen von Invalidität da. Die Erwerbsersatzordnung (EO) kompensiert teilweise die Einkommensausfälle durch Militär-, Zivilschutz- oder Zivildienst. Finanziert werden diese Versicherungen aus Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträgen sowie durch Bund und Kantone.

Die 1. Säule ist für alle Mitarbeitenden obligatorisch: Schweizer, Ausländer, Familienmitglieder, im Ausland beschäftigte Mitarbeitende mit Direktvertrag bei der Muttergesellschaft (sofern der Hauptsitz in der Schweiz ist). Die ohne Barlohn im Unternehmen mitarbeitenden Ehepartner sind von der Beitragspflicht befreit, wenn der andere Ehepartner mindestens den doppelten Mindestbetrag entrichtet.

Unternehmer sollten bei der Ausgleichskasse für sich selbst abklären, ob sie als selbstständig Erwerbende gelten. Die AHV-Prämien sind für Selbstständige tiefer als für Angestellte. Die Beurteilung des Selbständigkeitsstatus ist  zudem Basis für weitere obligatorische Sozialversicherungen (Unfallversicherung, Pensionskasse etc.).

Versicherungstechnisch sind mitarbeitende Inhabende von AGs und GmbHs unselbstständig, einfache Gesellschafter, Kollektiv- und Kommanditgesellschafter gelten fast immer als Selbstständige. Wenn die Ausgleichskasse einen Unternehmer nachträglich als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer einstuft, muss er alle Beiträge nachzahlen (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge sowie Verzugszinsen).

Die Firma muss bei der kantonalen Ausgleichskasse oder der Ausgleichskasse des Branchenverbands angemeldet sein. Selbstständig Erwerbende entrichten maximal 9,7% ihres Einkommens für AHV, IV und Erwerbsersatzordnung (EO) (7,8% für die AHV, 1,4% für die IV und 0,5% für die EO). Für Angestellte müssen Unternehmen den ganzen AHV-Betrag (10,3%) abrechnen, die Hälfte darf aber vom Bruttolohn (inkl. allfälliger Gratifikationen, Provisionen etc.) des Arbeitnehmers abgezogen werden (2011).

2. Säule: Pensionskasse (BVG)

Die betrieblichen Pensionskassen sollen die Fortführung des gewohnten Lebensstandards sichern. Grundlage ist das Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge (BVG), das seit 1985 die obligatorische Versicherung von allen Arbeitnehmern ab dem 18. Altersjahr (gegen Risiko) und ab dem 25. Altersjahr (Sparversicherung) vorsieht. Voraussetzung ist ein Minimalverdienst von derzeit CHF 20’880.- (2011). Gegen oben ist der obligatorisch versicherte Verdienst auf CHF 83’520.- begrenzt, freiwillig können Unternehmen ihn aber auch höher ansetzen.

Die BVG-Leistungen werden vor allem durch Lohnprämien finanziert. Arbeitgeber müssen mindestens 50% der Prämien für Risiko, Sparen, Sondermassnahmen und Sicherheitsfonds übernehmen. Einige Arbeitgeber gewähren auf freiwilliger Basis einen höheren Beitrag. Je nach Alter und Geschlecht gelten unterschiedliche Prämien, die 7 bis 18% des Einkommens betragen können (je älter, desto höher). Jedes Jahr erhalten die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Vorsorgeausweismit der Auflistung der bisher geleisteten Beiträge und dem zu erwartenden Alterskapital.

Rechtsträger der Pensionskassen können Stiftungen, Genossenschaften oder öffentlich-rechtliche Einrichtungen sein, die von kantonalen und eidgenössischen Aufsichtsbehörden überwacht werden. Kleinen Betrieben ist der Anschluss an eine Sammelstiftung oder einer Verbandseinrichtung zu empfehlen. Vor der Auswahl sollten Unternehmensgründer unbedingt die Kosten, die Leistungen und den Aufwand für die Administration vergleichen. Die Unterschiede sind teilweise erheblich..

3. Säule: Private Vorsorge

Die 3. Säule bezeichnet die private Selbstvorsorge. Sie wird teilweise mit steuerlichen Anreizen gefördert. Mit der 3. Säule können Arbeitnehmer allfällige Vorsorgelücken kompensieren oder weiter führende Ansprüche sicherstellen. Die 3. Säule kann auch Todesfall- und Invaliditätsleistungen gewähren. Man unterscheidet zwischen gebundener Vorsorge (Säule 3a) und freie Selbstvorsorge (Säule 3b).

Für Unternehmerinnen und Unternehmer ist die private Vorsorge eine besonders wichtig. Schliesslich sind selbstständig Erwerbende nicht allen Sozialversicherungen obligatorisch unterstellt. Daher müssen sie sich ihre Absicherung insbesondere für Alter und Invalidität weitgehend selber aufbauen.

Arbeitslosenversicherung (ALV)

Die Arbeitslosenversicherung gewährt die Lohnfortzahlung bei Arbeitslosigkeit und fördert die Wiedereingliederung von Erwerbslosen in den Arbeitsmarkt. Sie ist obligatorisch für Arbeitnehmende. Arbeitgeber müssen für ihr Personal Beiträge an die Arbeitslosenversicherung leisten (1,1% bis CHF 126’000.- Jahreseinkommen, auf Einkommensanteilen zwischen CHF 126’000.- und CHF 315’000.- wird darüber hinaus 1% Solidaritätsbeitrag erhoben. Die Abgaben werden je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen (2011)). Selbstständig Erwerbende können sich dagegen nicht gegen Arbeitslosigkeit versichern.

Wer mit seinem Selbständigkeits-Projekt scheitert, erhält nur dann Arbeitslosentaggelder, wenn er innerhalb der letzten 2 Jahre vor der Arbeitslosigkeit während mindestens 12 Monaten als Angestellte Beiträge an die ALV gezahlt hat.

Mitarbeitende Inhaber von AG und GmbH gelten als Angestellte und sind deshalb besser gestellt. Dazu müssen aber 2 Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Lohn muss tatsächlich ausbezahlt worden sein.
  • Die entsprechenden Beiträge an die Sozialversicherungen müssen bezahlt worden sein.

Solange der Betrieb nicht liquidiert wurde und der Unternehmer noch Führungsverantwortung hat (als Verwaltungsrat, unbeschränkt haftender Gesellschafter oder bestimmender Aktionär), besteht keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung.

Unternehmerinnen und Unternehmer haben auch kein Anrecht auf Kurzarbeits-, Schlechtwetter- und Insolvenzentschädigungen, müssen aber für ihr Personal Beiträge dazu leisten (1%). Die Insolvenzentschädigung deckt die versicherten Lohnforderungen der Mitarbeitenden bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers. Kurzarbeits- und Schlechtwetterentschädigungen decken 80% des Lohnausfalls und sind zeitlich befristet.

Unfallversicherung (UVG)

Für selbstständig Erwerbende ist die Unfallversicherung freiwillig, für die Mitarbeitenden jedoch obligatorisch. Das gilt auch für mitarbeitende Familienmitglieder, sofern diese Barlohn beziehen und/oder AHV-Beiträge leisten. Die Unfallversicherung kann über die Suva oder bei einer kollektiven UVG-Unfallversicherung abgeschlossen werden.

In vielen Branchen können sich selbstständig Erwerbende zum Abschluss der freiwilligen Unfallversicherung an die Suva wenden. Für die anderen Branchen offerieren Versicherer und Krankenkassen entsprechende Versicherungsprodukte. Die privaten Gesellschaften haben auch UVG-Zusatzversicherungen im Angebot. Leistungen und Konditionen sind aber sehr unterschiedlich.

Die Unfallversicherung trägt die Behandlungskosten und richtet Taggelder aus. Zudem vergütet sie bei unfallbedingter Invalidität Renten und unterstützt Hinterbliebene nach dem Tod der versicherten Person.

Nichtberufsunfall-Versicherung (NBU)

Die Nichtberufsunfall-Versicherung deckt die finanziellen Folgen von Unfällen, die nicht am Arbeitsplatz geschehen sind. Alle in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmenden sind obligatorisch gegen Freizeitunfälle inklusive Arbeitsweg versichert, falls sie mindestens 8 Stunden pro Woche beim selben Arbeitgeber tätig sind. Der Arbeitgeber kann die Prämien für die Nichtberufsunfall-Versicherung vom Arbeitnehmenden zurückfordern.

Für Arbeitnehmende mit weniger als 8 Wochenstunden sind Freizeitunfälle nicht versichert (Ausnahme: Unfälle auf dem Arbeitsweg sind für diese Arbeitnehmenden bei der Berufsunfallversicherung versichert). Um dennoch abgesichert zu sein, müssen diese Personen bei ihrer obligatorischen Krankenversicherung das Unfallrisiko mitversichern lassen.

Krankenkassen (KVG)

Die Krankenkassen unterscheiden nicht zwischen selbstständig und unselbstständig Erwerbenden. Die Krankenkasse deckt die Kosten von Krankheit und Unfall, sofern keine spezielle Unfallversicherung vorhanden ist (Grundversicherung obligatorisch, Zusatzversicherungen freiwillig; die Kostenbeteiligung durch den Arbeitgeber ist in der Schweiz eher unüblich).

Krankentaggeld-Versicherung / Erwerbsunfähigkeits-, resp. Lohnausfallversicherung

Für Unternehmende ist der Abschluss einer Krankentaggeld-Versicherung zu empfehlen. Sie deckt den Lohnausfall bei Krankheit. Ebenfalls ratsam ist eine Erwerbsunfähigkeits-Versicherung. Diese leistet nach Ablauf der Krankentaggeld-Versicherung (nach 2 Jahren) eine entsprechende Rente.

Unternehmer sind verpflichtet, ihre Mitarbeitenden bei Krankheit für eine gewisse Zeit weiter zu entlöhnen. Wie lange diese Zeit dauert, ist gesetzlich nicht eindeutig geregelt, die Mindestdauer ist aber gemäss Gerichtspraxis 3 Wochen im 1. Dienstjahr. Im Übrigen richtet man sich nach der sogenannten Zürcher-, Basler- und Berner-Skala.

Arbeitgeber können dieses Risiko bei Krankenkassen oder Versicherungen abdecken. Die Hälfte der Prämien können dem Personal belastet werden.